Ell Nikki 615x345 ESC 2012 in Baku, Aserbaidschan

Die Gewinner des ESC 2011: Das Duo Ell/Nikki aus Aserbaidschan. Ihre Pop-Perle Running Scared hat 221 Punkte geholt. Wir freuen uns sehr über den Sieg der beiden. Foto: Alain Douit (EBU) , Peter Van Den Berghe (EBU)


Das war er also: der Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf. Was für eine Show. Und einer unserer Favoriten hat gewonnen: Ell und Nikki (eigentlich Eldar Qasımov und Nigar Camal) aus Aserbaidschan haben mit ihrer Pop-Perle “Running Scared” alles richtig gemacht. Ein schwedisches Songwriter-Komitee hat für den international einsatzfähigen melancholisch-getragenen Song gesorgt, so dass sich das relativ kleine Aserbaidschan (etwas über 9 Millionen Einwohner) nach nur vier ESC-Teilnahmen den ersten Platz sichern konnte. Sehr schön und zu Recht!

Seit 2008 macht die ehemalige Sowjet-Republik am Kaspischen Meer beim ESC-Zirkus mit und hat es seitdem in jedem Finale immer in die Top 10 geschafft. Und gestern den Sieg. Das nenne ich Teilnahme-Effizienz.

Ell/Nikki mit “Running Scared” im ESC-Finale 2011:

Nigar und Eldar gaben direkt nach dem Sieg eine Pressekonferenz:

Der ESC 2012 wird also aller Voraussicht nach in Aserbaidschans Hauptstadt Baku stattfinden. Tja, nach dem ESC ist vor dem ESC. Die voraussichtlichen Termine stehen auch schon fest (Der ESC-Veranstalter EBU behält sich Änderungen vor):

1. Halbfinale: 22.Mai 2012 (Dienstag)
2. Halbfinale: 24.Mai 2012 (Donnerstag)
Großes Finale: 26.Mai 2012 (Samstag)

Zur Show: Was für ein Opening! Was Stefan Raab mit seiner TV-Total-Hausband Heavytones, 42 Lena-Doubles – und dann noch überraschender Weise mit Lena selbst zu Anfang der Show abgeliefert hat, war Erste-Klasse-Entertainment: “Satellite” in einer furiosen Rockabilly- und Big Band-Version, die eine Überraschung nach der nächsten zu bieten hatte. Wow! Germans can entertain. Muss man gesehen haben:

Nach diesem ersten Höhepunkt gab es zunächst keine Überraschungen mehr, denn die Künstler der 25 Teilnehmerländer präsentierten ihre Songs routiniert und fehlerfrei. Niemand ließ etwas anbrennen. Der Sound war spitze. Zur grandiosen Bühne, den Leinwandeinspielern und dem Beleuchtungskonzept muss man nichts mehr sagen, alles war perfekt wie in den Halbfinalshows. Lena machte ihre Sache wie gewohnt gut: “Taken by a stranger” geriet ihr so rätselhaft wie er gedacht war. Prima.

Jan Delay und seine Band machte mit zwei Songs alles klar, um die Zeit bis zur Punktevergabe zu verkürzen. Er war wie immer routiniert und auf den Punkt. Wie man ihn kennt.

Die Moderatoren Anke Engelke, Judith Rakers und Stefan Raab hatten ihren besten von allen ESC-Show-Abenden. Sie wirkten locker, charmant, witzig und international. Und Raab hat sich durch das furiose Opening ein TV-Entertainer-Denkmal gesetzt.

So richtig spannend wurde es wieder bei der Punktevergabe am Ende, weil sie überraschte. Selbst Google, denn die Ranking-Prognose der Suchmaschine lag in diesem Jahr (anders als in den beiden Jahren zuvor) komplett falsch. Vermeintliche Favoriten lagen zunächst weit hinten oder blieben dort, die Ukraine und Griechenland sehr weit vorn. Es geriet alles wohltuend und spannend durcheinander. Erst im letzten Viertel der Punktevergabe konnte sich Aserbaidschan, das sehr häufig acht oder weniger Punkte einsammelte, allmählich von den Verfolgern absetzen. Eric Saade aus Schweden schien – zu unserem Leidwesen – der kommende Sieger zu sein. Für Ell und Nikki regneten die Punkte zum Schluss aber stetiger und höher. Gut so.

Eine gewaltige Überraschung ist der zweite Platz Italiens: Raphael Gualazzi rollte das Feld nach und nach auf und überholte sogar den populären Schweden.

Für unsere größte Enttäuschung sorgte das schlechte Abschneiden der Estin Getter Jaani, die wie Aserbaidschan und die Dänen von “A Friend in London” zu unseren Favoriten-Tipps gehörte. Mit ihrem zauberhaften “Rockefeller Street” wurde sie nur Vorletzte. Da sind wir angesichts manch anderer Platzierung bass erstaunt.

Und Lena? Sie erreichte einen wunderbaren zehnten Platz! Gut gemacht. Man sah ihr die Herzensfreude an, als sie ihren Nachfolgern Ell und Nikki die Siegertrophäe übergab. Mission erfüllt. An ihrer Stelle würde ich jetzt ein Jahr Urlaub machen. Dieser zehnte Platz, ihr Überraschungs-Auftritt beim “Satellite”-Opening des Abends, die ehrliche Freude für Aserbaidschan und das ARD-Interview nach der Show stehen und standen ihr gut. Lena is back. Bis bald! Hier noch einmal ihr Auftritt im Finale:

Die Ergebnis-Liste des ESC-Finales 2011:

01. Aserbaidschan: Ell/Nikki mit “Running Scared” holten satte 221 Punkte.
02. Italiens Raphael Gualazzi überraschte alle mit seinem zweiten Platz. Sein “Madness Of Love” im Paolo Conte-Stil brachte 189 Punkte.
03. Schweden: Eric Saade sah lange Zeit als Frontrunner aus. Mit seinem Song “Popular” erreichte er 185 Punkte.
04. Ukraine: Mika Newton lag – für uns nicht nachvollziehbar – mit “Angel” immer weit vorn. 159 Punkte.
05. Dänemark: Für “A Friend In London” haben wir uns mehr erhofft. Sie landeten mit “New Tomorrow” immerhin auf dem fünften Platz. 134 Punkte.
06. Bosnien und Herzegowina: Ein sehr sympathischer Dino Merlin holte mit “Love In Rewind” 125 Punkte.
07. Griechenland: Loucas Yiorkas und sein Kumpel Stereo Mike sammelten mit dem gruseligen “Watch My Dance” unglaubliche 120 Punkte ein. Der siebte Platz ist wegen anderer besserer Songs unbegreiflich.
08. Irland: Die überzuckerten Zwillingsbrüder von Jedward machten mit “Lipstick” zum Glück nur den 8. Platz. 119 Punkte.
09. Georgien: Eldrine sicherte sich mit “One more day” 110 Punkte.
10. Deutschland: Lena legte mit “Taken by a Stranger” einen tollen Auftritt hin. 107 Punkte.
11. Großbritannien: Blue haben es mit “I can” nicht in die Top 10 geschafft. 100 Punkte.
12. Moldawien: “Zdob si Zdub” errichten mit ihrem lustigen “So Lucky” immerhin 97 Punkte.
13. Slowenien: Maja Keuc “No One”. 96 Punkte.
14. Serbien: Nina sammelt mit ihrem Song “Caroban” 85 Punkte.
15. Frankreich: Der angeblich jüngste professionelle Tenor der Welt Amaury Vassili ersingt mit “Sognu” 82 Punkte.
16. Russland: Alexej Vorobjov hat sich sicher mehr versprochen. Sein Song “Get You” reicht nur für 77 Punkte.
17. Rumänien: Hotel FM mit Sänger David erreicht mit dem Song “Change” 77 Punkte.
18. Österreich: Für die sehr gute Sängerin Nadine Beiler und ihre Powerballade “The Secret Is Love” haben sich viele bestimmt mehr erhofft. 64 Punkte.
19. Litauen: Evelina Sasenko und ihr Song “C’est Ma Vie”. 63 Punkte.
20. Island: Sjonni’s Friends erreichen mit “Coming Home” 61 Punkte.
21. Finnland: Paradise Oskar holt mit “Da Da Dam” nur 57 Punkte. Nach seinem Erfolg im Halbfinale ist sein 21. Platz eine Überraschung.
22. Ungarn: Kati Wolf ersingt mit “What About My Dreams?” nur 53 Punkte. Ihre große Geste und das Diva-Outfit passen nicht zum Song. Sofragte man sich: Disco, Diva oder Dynamik?
23. Spanien: Lucía Pérez sang ihr belangloses “Que Me Quiten Lo Bailao” und landet zurecht weit hinten. 50 Punkte.
24. Estland: Getter Jaani erreicht mit “Rockefeller street” nur 44 Punkte. Unsere größte Enttäuschung des Abends. Unerklärlich. Song und Sängerin hätten mehr verdient. Tja, Musik ist Geschmacksache und immer für Überraschungen gut.
25. Schweiz: Für Anna Rossinelli und ihren Nananana-Song “In Love For A While” hätten sich einige – vor allem nach ihrem Erfolg im Halbfinale – mehr versprochen. Wir nicht, obwohl der letzte Platz nicht gerechtfertigt ist, wenn ich an andere Teilnehmer (wie z. B. Griechenland) denke. Nur 19 Punkte.

So, das war’s. Der ESC 2011 ist nun Geschichte. Ein wunderbarer Song hat gewonnen. DÜSSELDORF2011 sagt: Adieu, Danke, Tschüss. Schön war’s. We hope you felt you heart beat. We did…

Baku 2012 ante portas…

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