ESC-Sieger Aserbaidschan

Die Gewinner des Eurovision Song Contest 2011: Ell und Nikki aus Aserbaidschan. Foto: Alain Douit (EBU), Peter Van Den Berghe (EBU)

Aserbaidschan ist der Gewinner des Eurovision Song Contest 2011. Das Duo Ell und Nikki im Interview. Foto: Pieter Van den Berghe, Elke Doels, Alain Douit (EBU)
Der Eurovision Song Contest 2011 ist gerade vorbei, die Spektakel-Temperatur in Düsseldorf noch nicht ganz heruntergekühlt, die Songs schwirren noch durch den Kopf, da geht es auch schon los mit dem ESC 2012. Auch für das nächste Mal gilt die Tradition, dass der kommende ESC im Land des aktuellen ESC-Siegers stattfindet: Offizielle Stellen Aserbaidschans bekennen sich klar dazu, den Eurovision Song Contest 2012 in Baku, der Hauptstadt des Landes, veranstalten zu wollen. Das kleine Aserbaidschan ist ohnehin völlig aus dem Häuschen, vielmehr aus dem Ländchen. Die Aserbaidschaner feierten den ESC-Sieg bis in die Morgenstunden. Nach nur drei ESC-Teilnahmen hat es beim vierten Mal gleich für den Sieg gereicht. Der ESC-Sieg wird dort gefeiert wie ein WM-Sieg. Klasse.
Wo strahlende Sieger sind, sind Politiker nicht fern. So ließ sich auch Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew nicht lumpen und bedankte sich am Montag bei den ESC-Veranstaltern, dem Sieger-Duo Ell und Nikki, die den ESC 2012 in der Heimat möglich gemacht haben, und bei allen Zuschauern, die für Aserbaidschan gestimmt haben. (Das Lob und die Vereinnahmung durch Alijew hat zudem ein Geschmäckle, weil er nicht auf die demokratischste Weise an die Macht gekommen ist.) Aserbaidschans Parlamentspräsident Oktay Asadov meinte ebenfalls, dass dies ein Sieg des aserbaidschanischen Volkes sei. Man ist also mächtig stolz.

Aserbaidschans Landesflagge. Bild: By Offisials of Azerbaijan Democratic Republic. Created by Interfase, Public domain, via Wikimedia Commons
Das Sieger-Duo – Ell und Nikki – ist nach dem Sieg zunächst in die Heimat geflogen. Dort wurde ihnen ein stürmischer Empfang bereitet. Die beiden legten am Denkmal des 2003 verstorbenen ehemaligen aserbaidschanischen Präsidenten Heydar Alijew Blumen nieder. Direkt im Anschluss gab es ein Treffen mit dem amtierenden Präsidenten Ilham Alijew (Er ist Sohn von Heydar Alijew ). Eine Delegation der Europäischen Union in Aserbaidschan gratulierte dem Land zum Sieg.
Der Leiter der EU-Delegation, Botschafter Roland Kobia, ist sich sicher, dass der ESC 2012 in Baku ein Meilenstein werde. Durch die Veranstaltung werde Aserbaidschan eine erhöhte internationale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. So hört sich das bei Diplomaten an. Wir sagen: Der ESC in Baku wird eine ebenso dufte Sause wie in Düsseldorf.
Aber schon ging es für einen Auftritt in Stefan Raabs gestriger Ausgabe von TV total wieder zurück nach Deutschland. Dieses Hin und Her wird für Ell und Nikki in nächster Zeit wahrscheinlich normal sein.
Nikki heißt mit vollem Namen Nigar Camal, ist bereits 30 Jahre alt und Mutter zweier Kinder. Sie lebt in London als Hausfrau, wie sie selbst sagt. Bereits seit ihrer Jugend singt und musiziert sie. So spielt sie z. B. Saxophon.
Im Jahr 2001 absolvierte sie an der Khazar Universität in Baku ihr Studium der Wirtschaft und Unternehmensführung.
Ell – eigentlich Eldar Qasımov - ist 21 Jahre alt und studierte Klavier in Baku. In 2004 und 2008 gewann Eldar Stipendien, um als Austauschstudent in Deutschland (z. B. Frankfurt) zu studieren. Neben seinem Klavierstudium bildete er sich auch in Gesang und Schauspiel weiter. In Düsseldorf hat man sehen können, dass er fließend Deutsch spricht.
2010 verließ Eldar die Universität Bakus mit dem Abschluss in “Internationalen Beziehungen”. Seit seiner Kindheit ist er ein Fan des ESC und träumte von einer Teilnahme.
Nigar und Eldar nahmen Anfang 2011 am aserbaidschanischen ESC-Vorentscheid teil. Zunächst als Solokünstler. Im Laufe der ESC-Vorbereitungen wurde aus ihnen das Duo Ell/Nikki mit dem ESC-Song “Running Scared”.
Der Song stammt von den schwedischen Komponisten Stefan Örn, Sandra Bjurman und Iain Farguhanson. Örn und Bjurman hatten bereits den ESC-Beitrag Aserbaidschans des Vorjahres geschrieben: “Drip Drop” von Safura. Ihm schrieb man damals schon hohe Siegchancen zu, allerdings erreichte er am Ende den fünften Platz in der Gesamtwertung. Lena gewann den ESC 2010 mit“Satellite”.
Unsere Gratulation geht an die beiden ESC-Helden 2011.
Aserbaidschan kann sicher mit dem ESC-Effekt rechnen, wenn es im nächsten Jahr in den europäisch-internationalen Fokus rückt: Es kann sich als weltoffenes und kulturell reiches Land präsentieren und auf einen Schlag ins Bewusstsein von vielen Millionen Menschen bringen. Politik und Wirtschaft werden dies unbedingt für sich nutzen wollen, auch wenn einige westliche Kritiker und Medien jetzt bereits ätzen und die Fähigkeit Aserbaidschans anzweifeln, den ESC auf internationalem Niveau zu veranstalten. Diese Ansicht teilen wir nicht: Das Land hat es mit internationalem Ansatz geschafft, den ESC nach nur vier Teilnahmen zu gewinnen. Wir werden 2012 einen tollen ESC erleben und hoffen, dass die gesamte Bevölkerung (etwas über neun Millionen Einwohner) davon hat, denn die politischen Verhältnisse in Aserbaidschan sind nicht die einfachsten.
Die voraussichtlichen ESC-Termine für Baku stehen auch schon fest (Der ESC-Veranstalter EBU behält sich Änderungen vor):
1. Halbfinale: 22.Mai 2012 (Dienstag)
2. Halbfinale: 24.Mai 2012 (Donnerstag)
Großes Finale: 26.Mai 2012 (Samstag)
Wir frischen das geografische Wissen auf, denn genau hier liegt das ESC-Gewinner-Land Aserbaidschan:
Größere Kartenansicht
Aserbaidschans Hauptstadt Baku: Imagevideo aus dem Jahr 2010:
Leben am Kaspischen Meer:
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